Geschichte

 

                           "Grüner Baum"

 

Am Markt 6 in Plochingen

 

1815/16 Der Gerichtsverwandte Georg Friedrich Maier ließ aufdem Grundstück eines mittelalterlichen Anwesens das heutige Haus bauen.

 

Das Vorgängerhaus war urkundlich im Jahr 1606 im Besitz des Dietterichen Fetzer. Zum Grundstück gehörte damals ein großer Haus- und Baumgarten, der beinahe bis zur heutigen Moltkestraße hinauf-
re
ichte. In dem wasserreichen oberen Teil dieses Hausgartens lag seit dem hohen Mittelalter eine Brunnenstube (heute Tannenstraße 10), welche die Plochinger Badstube und den Badbrunnen mit
Wasser versorgte.

 

Der Badbrunnen stand bis 1902 unmittelbar vor dem heutigen "Grünen Baum".

 

Die Badstube war ein Hinterhaus der heutigen Gebäude "Am Markt 5 und 6". Das lustige und oft ausschweifige Badevergnügen wollte man nicht direkt an der wichtigsten Ortsgasse haben. Den Zugang zum fröhlichen Badevergnügen fanden die Bürger über das Badgässle, das heute zum Eingang der Weinstube "Grüner Baum" führt.

 

Nach einem Vertrag von 1606, dem "Badstuben-Sch/üsselvergleich", hatte Dietterichen Fetzer und alle seine Nachfolger auf dem Anwesen die Aufsicht und Wartung der Wasserstube und des Badbrunnens (heute Marktbrunnen) vorzunehmen. Dafür wurde in diesem Vertrag Fetzer, alle seine Nachkommen

 

und alle Nachbesitzer von allen Frondiensten freigestellt.

 

1817       Am 1. Februar 1817 übergibt Friedrich Maier, des Gerichts, an seinen Sohn Jakob Friedrich Maier, Feldmesser, "eine ganz neu erbaute zweistocklqe Behausung samt Scheune, Keller, Hofraithin, auch
H
ofstatt und
16 Yz Ruthens (135 qm) Gartten darhinder, in der Cappelgasse, beim Badbrunnen, neben sich selbst ( heute Am Markt 5) und dem Badgäßle um 1.000 Gulden" (Kaufbuch 1817).

 

1845       Der Schreiner Ludwig Friedrich Maier übernimmt das Haus von seinem Vater. Der neue Besitzer richtet eine Schreinerwerkstatt ein. Doch bereits sieben Jahre später verfallen die Eheleute Maier in den schlimmen Not- und Revolutionsjahren dem Gant.

 

              1852   Am 26. Januar 1852 wird das Haus eine Metzgerei und Gastwirtschaft. Der Metzger Johann Friedrich Streicher kauft das Anwesen aus der Konkursmasse. 1860 baut Streicher hinter seinem Haus eine neue Scheuer mit Stall. Mit seinem Nachbarn Martin Friedrich Maier (heute Am Markt 5) bekommt Streicher deswegen viel Ärger. Maier behauptete, der neue Bau nehme ihm die Morgensonne weg.

 

1873       Im Jahr 1873 wird aus der Metzgerei eine Bäckerei mit Gastwirtschaft. Der Bäcker und Wirt Heinrich Hauser kauft das Grundsck um 3.825 Gulden. In die neu eingerichtete Backstube baut Hauser einen Holzbackofen ein.

 

    1888   Der Bäcker und Wirt Gottlieb Seyerle kauft das Anwesen um 7.000 Mark. In der Folge gehört das Anwesen dann den Wirten und Bäckermeistern Johann Munz und August Hermann. Der Bäcker
Hermann renoviert und modernisie
rt 1925 gründlich, stockt das Gebäude auf und gibt nunmehr der
Wirtscha
ft den Namen "Grüner Baum".

 

1927       Der Bäckermeister und Wirt Erwin Schefenacker aus Aichschieß erwirbt  das neu umgebaute Anwesen.

 

Nach dem Tod der Eheleute Schefenacker stand Frau Emma Schefenacker dem Geschäft vor und prägte das gemütliche Wirtschäftle durch ihre liebenswü rdige und originelle Art.

 

1989       Durch das Entgegenkommen von Frau Emma Schefenacker konnte das Plochinger Glockenspiel im Giebel des Hauses eingebaut werden. Plochinger Bürgerinnen und Bürger hatten 117.000 DM für
dieses Spiel gespendet. 15 Glocken zieren seither den prächtigen Giebel. Die kleinste Glocke wiegt 18 kg, die größte 95 kg. Die bronzenen Glocken reichen von F" bis C". Bespielt werden die Glocken
über eine e
lektronische Klaviatur oder über ein computergesteuerte Carillonstation.

 

 1994      Am 22. Juni1994 verkauft Emma Schefenacker das Anwesen an die Stadt Plochingen, die den "Grünen Baum" dann an die Gemeinnützige Baugesellschaft Plochingen GmbH übertragen hat.

2001       Seit 2001 bewirtschaftet Frau Martina Dahmen-Clauß

den "Grünen Baum" als Weinstube und Restaurant.

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